Es ist mittlerweile ein Klischee, zu sagen, dass Künstliche Intelligenz (KI) alles verändert hat, aber es ist auch unbestreitbar wahr.
Künstliche Intelligenz (KI) ist so tief in unseren Alltag integriert, dass sie paradoxerweise fast unsichtbar geworden ist – ein aktueller Bericht von Reddit, GroupM und WPP ergab, dass nur jeder sechste Verbraucher oft merkt, wenn er KI-gestützte Tools verwendet. Gleichzeitig hat der rasante Aufstieg und die weitverbreitete Integration von KI Besorgnis über ihr Potenzial geweckt, verschiedene Bereiche der Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Für Verlage sind diese Bedenken besonders akut.
Verlage stehen vor der doppelten Herausforderung, die Effizienz von KI zu nutzen und gleichzeitig die Integrität und Qualität von menschenverfassten Inhalten zu wahren. Der zunehmende Einsatz KI-gestützter Suchfunktionen, Empfehlungen und Zusammenfassungen birgt die Gefahr, Leser – und Werbetreibende – von den Webseiten der Verlage abzuwerben.
Die Befürchtung betrifft nicht nur die Verdrängung von Journalisten, sondern auch den Verlust von Kreativität, Engagement und Authentizität – Eigenschaften, die Leser erwarten und in die Marken investieren. Nachdem sie bereits mit vielfältigen Belastungen ihres Monetarisierungsmodells zu kämpfen hatten, darunter der Aufstieg geschlossener Plattformen und sozialer Medien, stellt KI einen völligen Bruch dar.
Dennoch können Verlage die Zeit nicht zurückdrehen – das Zeitalter der KI ist angebrochen und wird uns erhalten bleiben. Sie befinden sich daher an einem Scheideweg und müssen die Bewahrung ihrer Kernwerte mit dem Wettbewerbsdruck der Innovation in Einklang bringen.
Die einzige Möglichkeit für Verlage, die Herausforderungen durch KI wirklich zu bewältigen, besteht darin, sie selbst einzusetzen.
Die KI-Inhaltsfragen
Die entscheidende Frage ist natürlich: Kann KI selbst qualitativ hochwertigen Journalismus produzieren? Und falls ja, spielt es dann eine Rolle, ob die Inhalte von einem Menschen oder einer Maschine stammen? Momentan ist das noch völlig offen. Wir sind noch weit davon entfernt, dass KI die investigative Tiefe, die Nuancen und das erzählerische Verständnis liefert, die exzellenter Journalismus erfordert. Kurzfristig stellt KI-generierter Inhalt eher eine Bedrohung dar als einen Ersatz für menschliche Berichterstattung.
Man muss sich nur die Vielzahl minderwertiger, speziell für Werbung erstellter Websites ansehen. Diese sind darauf ausgelegt, Suchalgorithmen auszutricksen und billigen Traffic zu generieren. Die dahinterstehenden Modelle imitieren immer besser Tonfall, Struktur und sogar redaktionellen Stil, bieten aber letztendlich ein miserables Nutzererlebnis.
Andererseits besitzt KI auch das Potenzial, zwischen guten und schlechten Inhalten zu unterscheiden. Sie kann analysieren, ob eine Seite nützlich, übersichtlich gestaltet oder mit aufdringlicher Werbung überladen ist.
Wenn KI diese Unterscheidungen treffen und bessere Nutzererlebnisse in Rankings und Weiterempfehlungen priorisieren kann, könnte sie tatsächlich Verlage belohnen, die in Qualität statt in Clickbait investieren.
KI so nutzen, dass sie Ergebnisse liefert
Tatsächlich stellt KI, wenn es darum geht, Zuschauer und damit Werbeausgaben zu gewinnen, ein revolutionäres Werkzeug dar – sie versteht, welche Arten von kreativen Inhalten bei den Zuschauern am besten ankommen und die Leistung steigern.
Dies markiert auch eine Abkehr vom linearen Targeting-Modell, auf das Verlage jahrelang gesetzt haben, bei dem ein Nutzer einem Basissegment zugeordnet und entsprechend monetarisiert wird. Künstliche Intelligenz hingegen ermöglicht differenzierteres Targeting und versetzt Verlage in die Lage, bessere Entscheidungen zu treffen und Umgebungen zu schaffen, in denen qualitativ hochwertiger Journalismus echten Mehrwert für Werbetreibende generiert.
Wir sprechen von tieferen Einblicken in Inhalte, Kontext, Stimmungen, Interessen, Absichten und Eignung. Das sind keine abstrakten Konzepte, sondern konkrete Datenpunkte, die Werbetreibende erwarten und die KI in großem Umfang verarbeiten kann. So wird die Anzeigenauslieferung und das Nutzererlebnis grundlegend verändert. Das Ergebnis? Ein hochrelevantes Nutzererlebnis – und lukrativere Werbemöglichkeiten für Publisher.
Werbetreibende setzen verstärkt auf diese Technologie, um die Relevanz ihrer Werbung auf ein nie dagewesenes Niveau zu heben und gleichzeitig die Anzeigenproduktion zu skalieren, zu optimieren und zu automatisieren. Dazu gehören die Erstellung von Anzeigentexten und Produktbeschreibungen sowie die automatische Bildoptimierung basierend auf Performance- und detaillierten Zielgruppendaten. Ob aktuelle Produktrabatte, Wetterinformationen oder Sportergebnisse – Werbeinhalte werden in Echtzeit angepasst, um Relevanz und Wirkung zu steigern. Was früher ein ganzes Team aus Designern und Mediaeinkäufern erforderte, erledigt KI in Sekundenschnelle.
Eine uneingeschränkte Akzeptanz der Zukunft
Letztlich reicht diese Debatte weit über die Medien hinaus. Es geht nicht nur darum, ob KI den Menschen ersetzen wird. Es geht darum, ob Menschen, die KI nutzen, diejenigen ersetzen werden, die keine KI nutzen.
Für Verlage ist die Wahl klar: Entweder sie passen sich an und lernen, die Technologie zu nutzen, oder sie riskieren, den Anschluss zu verlieren. Die Chance besteht nicht nur in der Automatisierung, sondern auch in der Erweiterung bestehender Prozesse. KI kann Redaktionsteams dabei unterstützen, intelligentere Entscheidungen zu treffen, bessere Content-Strategien zu entwickeln und hochrelevante Werbeerlebnisse zu schaffen, die sowohl das Engagement als auch den Umsatz steigern.
Die Werkzeuge sind vorhanden. Die Herausforderung besteht darin, sie einzusetzen, ohne die Werte und Standards zu kompromittieren, die den Journalismus überhaupt erst schützenswert machen.
Thomas Ives, Mitbegründer, RAAS LAB





