Der mobile Traffic steigt, doch digitale Verlage verzeichnen nur geringes Nutzerengagement. Häufige Fehler in UX und Monetarisierung könnten die Ursache dafür sein. Da mobile Nutzer 2020 über 51 % der weltweiten Leserschaft ausmachten, ist gerätebasierte Optimierung wichtiger denn je. Dennoch stoßen wir bei Gesprächen mit unseren digitalen Verlagen über UX-Best Practices und Monetarisierung immer wieder auf folgende Warnsignale. Diese Fehler bedeuten nicht nur verpasste Interaktionsmöglichkeiten, sondern können Verlage laut Nutzerforschung auch Tausende von Dollar an Einnahmen kosten. Hier sind die häufigsten Fehler sowie konkrete Tipps, wie Marketing-, Redaktions- und Produktteams bessere Gewohnheiten etablieren können.
Fehler Nr. 1: Mobile Optimierung bis zum Schluss aufschieben
Wenn mobile Geräte mittlerweile die wichtigste Art und Weise sind, wie neue Nutzer die Website eines Verlags erleben, warum erzielen sie dann immer noch weniger Conversions als Desktop-Nutzer? Das liegt oft daran, dass die mobile Optimierung keine unternehmensweite Priorität hat. Redakteure erstellen selten Inhalte speziell für mobile Nutzer, und Marketingteams haben aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs um Werbeflächen Schwierigkeiten, Platz für ihre Anzeigenkampagnen oder Newsletter-Anmeldeformulare zu finden. Meistens wird die mobile Nutzererfahrung den Produktteams überlassen, die lediglich die Anweisung erhalten, eine Website „mobil responsiv“ zu gestalten. Wir wissen jedoch, dass sich das Nutzerverhalten je nach verwendetem Gerät grundlegend unterscheidet. Dies wirkt sich nicht nur auf die Art der konsumierten Inhalte aus – Videos sind auf kleineren Geräten deutlich beliebter –, sondern auch auf die Conversion-Rate. Werden diese Verhaltensunterschiede beim Design der mobilen Website nicht berücksichtigt, entgehen den meisten Verlagen Einnahmen.
Unser Rat Verlage, die neu in diesem Bereich sind, sollten zunächst einen Mobile-First-Ansatz verfolgen. Das bedeutet, dass Produkt-, Marketing- und Redaktionsmitarbeiter dazu angehalten werden, ihre eigenen Inhalte auf mobilen Geräten zu nutzen. Dies beeinflusst das Produktdesign und ermöglicht es Verlagen, erfolgreichere Marketingkampagnen auf ihren eigenen Websites durchzuführen. Verlage, die die mobile Optimierung auf die nächste Stufe heben möchten, müssen ihre Nutzerdaten nutzen, um intelligente Nutzerführungen zu gestalten. Die Bereitstellung von Inhalten basierend auf der Traffic-Quelle oder der Besuchshäufigkeit eines Besuchers kann helfen, Herausforderungen im Bereich der Website-Nutzung zu bewältigen und gleichzeitig höhere Erträge zu erzielen.
Fehler Nr. 2: Das falsche Verhältnis zwischen Werbung und Wiederverbreitung
Die Balance zwischen Monetarisierung und Nutzerzufriedenheit zu finden, ist ein schmaler Grat – insbesondere im mobilen Bereich. Eine Studie von NielsenNorman ergab, dass zwar alle Nutzer Werbung unabhängig vom Format ablehnen,
Mobile Nutzer berichten tendenziell von einer stärkeren WerbemüdigkeitVersierte Nutzer verstehen zwar, dass Werbung notwendig ist, um ihre Lieblingsseite kostenlos zu halten, doch lange Ladezeiten und aufdringliche Werbung vergraulen selbst die treuesten Besucher. Eine Werbedichte von über 30 % und Videos, die Ihre mobile Website erheblich verlangsamen, wirken sich zudem negativ auf Ihr Suchmaschinenranking aus.
Unser Rat Automatisch abspielende Werbung sollte nach Möglichkeit nur auf Desktop-Nutzern verfügbar sein. Scheuen Sie sich nicht, die langsamsten Anzeigen zu entfernen
Dadurch werden Sie am Ende mehr Geld verdienenWerbefinanzierte Websites, die nach Möglichkeiten suchen, Impressionen und Klicks zu steigern, übersehen mitunter die Auswirkungen einer starken Engagement-Strategie auf ihre Umsatzprognose. Mehr
Werbeeinnahmen kann auf Mobilgeräten generiert werden, indem man sich darauf konzentriert, die Besucher durch Inhaltswiederverbreitung auf der Website zu halten.
Fehler Nr. 3: Verwenden Sie beim Seitendesign einen „Einheitsansatz“
Wenn mobile Endgeräte maßgeschneiderte Marketing- und Redaktionsstrategien erfordern, gilt dies auch für die User Experience (UX). Mobile Nutzer interagieren je nach Bildschirmgröße und Haltung ihres Smartphones unterschiedlich mit einer Website. Dies hat Auswirkungen auf die Platzierung von Display-Anzeigen, Handlungsaufforderungen (CTAs) und der Website-Navigation. Auf Inhaltsseiten rutschen Widgets in der Seitenleiste unter den Artikel, meist unterhalb des Kommentarbereichs und der Werbeflächen. Da mobile Nutzer durchschnittlich nur 25 % der Seite scrollen, sind diese Call-to-Action-Buttons und Widgets oft gar nicht sichtbar.
Unser Rat Für die meisten Publisher empfiehlt Bibblio, Sticky Ads und Cookie-Einwilligungsbanner oben auf der Seite zu platzieren und den restlichen Bildschirmbereich freizulassen
„Die Daumenzone“ Zur Inhaltsnavigation und zur Schaffung von Konversionsanreizen können Handlungsaufforderungen (CTAs) wie Newsletter-Anmeldungen beispielsweise bei einer Scrollrate von 80 % aktiviert werden, um Ihre engagiertesten Leser gezielt anzusprechen. Um Inhalte weiterzuverbreiten, kann ein Widget im Text bei 25 % des Artikels eine Möglichkeit sein, flüchtige Nutzer zu erreichen. Wählen Sie ein mobilfreundliches Design, beispielsweise das Karussell-Format.
Fehler Nr. 4: Langsame Seitenladezeit
53 % der Besuche werden voraussichtlich abgebrochen Wenn Seiten länger als drei Sekunden zum Laden benötigen, ist die Optimierung der Seitenladegeschwindigkeit aufgrund der höheren Latenz in Mobilfunknetzen noch wichtiger als auf Desktop-Computern. Leistungsstarke Websites binden Nutzer besser und erzielen höhere Konversionsraten als leistungsschwache Seiten. Studien haben außerdem gezeigt, dass…
Negative Auswirkungen schlechter Leistungen auf den UmsatzDie BBC beispielsweise berichtete, für jede zusätzliche Sekunde Ladezeit ihrer Website weitere 10 % ihrer Nutzer zu verlieren, und Amazon stellte fest, dass eine Verzögerung von nur einer Sekunde beim Seitenaufbau zu einem jährlichen Umsatzverlust von 1,6 Milliarden US-Dollar führen würde. Trotz zahlreicher Belege dafür, dass die Ladegeschwindigkeit auf Mobilgeräten die Einnahmen von Verlagen beeinflusst, erfüllen die meisten mobilen Websites diese Anforderungen nicht. Die Hauptursache: externes JavaScript und CSS werden zu früh geladen und blockieren das Rendering.
Unser Rat Beginnen Sie damit, die Schwachstellen Ihrer mobilen Website zu identifizieren. Google PageSpeed Insights ist ein hervorragendes Tool, um herauszufinden, was Ihre Seiten verlangsamt, und liefert hilfreiche Vorschläge, die Ihnen bei der Priorisierung von Änderungen helfen. Verwenden Sie Videohintergründe und Animationen nur auf Ihrer Desktop-Startseite und konzentrieren Sie sich auf einfachere Navigationsmenüs für Ihre mobile Website. Fragen Sie bei der Auswahl von Drittanbietersoftware immer nach der AMP-Kompatibilität.
Fehler Nr. 5: Mobile-exklusive Empfehlungsquellen ignorieren
Die Suche macht 80 % des mobilen Datenverkehrs aus, aber 2020 hat einen Anstieg verzeichnet
Zunahme des Datenverkehrs durch mobile AggregatorenGoogle Chrome Suggestions und Google News generieren mittlerweile deutlich mehr Traffic als Twitter.
Lokale Nachrichtenverlage Insbesondere dürften sie von einem deutlichen Traffic-Anstieg profitieren, da beliebte Nachrichtenaggregatoren ihre regionale Berichterstattung ausweiten. Diese Nutzer sind jedoch nach wie vor schwer zu erreichen und zu gewinnen, vor allem weil sie als Teilmenge der größeren Plattformen betrachtet werden, anstatt als eigenständiger Kanal angesprochen zu werden.
Unser Rat Verlage sollten ihre mobile Zielgruppe besser kennenlernen, beispielsweise durch A/B-Tests, die Besucher, die über mobile Nachrichtenaggregatoren auf eine Seite gelangt sind, als separates Nutzersegment definieren. Wie immer ist das Experimentieren mit Layout und Inhalten entscheidend, um zu verstehen, was ein Nutzersegment motiviert und welche Maßnahmen effektiv sind, um es durch den Kaufprozess zu führen.