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    Zooey Purdy – Code und Theorie

    Mia Malan, Gründungsdirektorin von Bhekisisa, ist die neueste Expertin für digitales Publizieren, die Einblicke in ihren beruflichen Alltag gewährt.
    Aktualisiert am: 1. Dezember 2025
    Vahe Arabian

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    Zooey Purdy ist Associate Director of Creative Strategy bei Code and Theory.

    Ist KI für die UI/UX-Designprinzipien digitaler Medienseiten wichtig? Wenn ja, welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus?

    Generell vertreten wir bei technologischen Innovationen die Auffassung, dass der Wert einer Technologie sich nach ihrem Nutzen für den Anwender oder das Unternehmen richtet. Viele Unternehmen begehen den Fehler, Produkte um eine neue Technologie herum zu entwickeln, anstatt sich auf das zu lösende Problem zu konzentrieren und dann die Technologie auszuwählen, die die beste Lösung bietet. Allerdings konzentrieren sich die Websites aufgrund des aktuellen Zustands der digitalen Medienbranche mehr denn je darauf, über eigene Plattformen und Kanäle direkte Beziehungen zu ihrem Publikum aufzubauen, um das Risiko einer Abhängigkeit von Facebook und Google bei der Verbreitung von Inhalten zu verringern. Künstliche Intelligenz bietet viele wertvolle Lösungen für die Schaffung ansprechenderer Nutzererlebnisse und stärkerer Bindungen, die die Nutzer immer wieder zurückkommen lassen.  Künstliche Intelligenz (KI) wird beispielsweise häufig in Personalisierungstechnologien eingesetzt. Digitale Medienplattformen nutzen oft KI-basierte Personalisierungstechnologien, um individuelle Nutzererlebnisse zu schaffen und die Inhalte an das Verhalten und die Konsummuster jedes einzelnen Nutzers anzupassen. Spotifys „Discover Weekly“-Playlists sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie KI eingesetzt wird, um ein unglaublich fesselndes und einzigartiges Content-Erlebnis zu kreieren, das die Nutzerbindung und -interaktion deutlich gesteigert hat. Einer der größten Nachteile des Einsatzes von KI ist das damit verbundene Risiko. Immer wenn eine Aufgabe, die traditionell von Menschen erledigt wird – wie das Schreiben eines Artikels oder die Gestaltung einer Website-Startseite – von einer Technologie übernommen wird, besteht die Gefahr unbeabsichtigter Folgen. So veröffentlichte Microsoft beispielsweise einen Twitter-Bot namens Tay, der durch Interaktionen mit anderen Nutzern auf der Plattform das Twittern lernen sollte. Leider eignete er sich schnell die Verhaltensmuster von Twitter-Trollen an und veröffentlichte schließlich beleidigende Nachrichten, woraufhin Microsoft ihn nach nur 16 Stunden wieder entfernte.  Mit der Zeit wird die KI-Technologie immer ausgefeilter, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Risiken sinkt und gleichzeitig die Fähigkeit steigt, ein authentischeres Erlebnis zu bieten. 

    Setzen Ihre aktuellen Kunden KI im UX/UI-Design ein? Haben Sie Beispiele, die Sie teilen können?

    Eines der besten Beispiele für einen unserer Kunden, der KI in sein Website-Design integriert, ist NBC. Bei der Veröffentlichung von Videoinhalten analysiert die KI-Technologie den Videoclip, um die interessantesten Einzelbilder zu ermitteln und daraus ein animiertes GIF zu generieren. Diese GIFs werden dann als Hover-Effekte für die Videos verwendet, sodass Nutzer eine Vorschau erhalten, bevor der vollständige Clip geladen wird.  Für MotorTrend haben wir eine App namens Car Spotting entwickelt, die KI-Technologie mit der Kamera Ihres Telefons kombiniert, um Hunderte von Autos zu erkennen, darunter 17 Autokarten, die Sie in Ihrer virtuellen Garage sammeln können.

    Wie schlagen Sie vor, KI für Nutzerverhaltenstests und -optimierung sowie für die Website-Architektur einzusetzen?

    Unser Team für Daten, Analysen und Forschung setzt KI regelmäßig im Produktentwicklungsprozess ein. Wir haben eigene Technologien zur Verarbeitung natürlicher Sprache für Umfrageanalysen, Social Listening, Zielgruppenanalysen, Inhaltsprüfungen und vieles mehr entwickelt. Diese Art von KI fließt in alle Bereiche ein – von Produktdesignentscheidungen bis hin zur Informationsarchitektur für Inhaltsarchive. 

    Welche UX/UI-Tools nutzen Sie am liebsten?

    Wir nutzen InVision sehr gerne, um schnell und unkompliziert Prototypen für Nutzertests zu erstellen. Es ermöglicht beispielsweise Klick- und Wischgesten für den Wechsel zwischen Bildschirmen und kann auf ein Mobilgerät heruntergeladen werden, um den Prototyp genau so zu erleben, wie es ein Nutzer tun würde. Durch das Testen von Produktkonzepten mit InVision erhalten wir Nutzerfeedback und können das Design optimieren, bevor es überhaupt in die Entwicklung geht. Wir bei Code and Theory sind ebenfalls große Fans von Airtable. Wir nutzen es zur Dokumentation von allem, von Produkt-Roadmaps über Website-Audits bis hin zu Feature-Anforderungen.  Plectica und Lucidchart sind auch hervorragende Werkzeuge zur Dokumentation von Benutzerabläufen, Informationsarchitektur und anderen Arten von visuellen Diagrammen.

    Was muss man sonst noch beachten, wenn man sich mit UX/UI für digitale Medienverlage beschäftigt?

    Ein oft übersehener Aspekt des digitalen Verlagswesens ist das Content-Management-System (CMS), das den Content-Erstellungsprozess steuert. Gerade im Nachrichtenbereich kann die Benutzerfreundlichkeit eines CMS darüber entscheiden, ob ein Unternehmen als erstes oder als letztes über eine wichtige Nachricht berichtet. Wenn Redakteure aufgrund einer mangelhaften Benutzerführung des CMS den Großteil ihrer Zeit mit sich wiederholenden und mühsamen Aufgaben verbringen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als einzigartige und ansprechende Inhalte zu erstellen, die das Unternehmen voranbringen. Viele der besten CMS nutzen KI, um beispielsweise Trendthemen für Redakteure vorzuschlagen oder Inhalte wie Sportergebnisse oder Wetterberichte zu generieren und zu veröffentlichen. Heutzutage werden Inhalte über unzählige Kanäle verbreitet, von Googles AMP über Facebooks Instant Articles bis hin zu Snapchat Discover und Instagram TV. Jeder Kanal präsentiert Inhalte in einem anderen Format und Umfeld. Daher müssen Designer und Content-Ersteller flexibel darauf achten, dass das Nutzererlebnis in den jeweiligen Umgebungen optimal gestaltet wird, um erfolgreich und ansprechend zu sein. Künstliche Intelligenz (KI) kommt dabei häufig zum Einsatz, um Bilder und Videos automatisch zuzuschneiden, deren Seitenverhältnis und Länge je nach Plattform variieren. KI kann diese wiederkehrenden Aufgaben schnell und automatisch erledigen und dabei sicherstellen, dass die wichtigsten Bildteile zentriert und die Schlüsselmomente eines Videos in einem gekürzten Clip festgehalten werden.  Mit dem zunehmenden Einsatz von Smart-Home-Geräten wie Amazon Alexa und Google Home wird die Zukunft des digitalen Nachrichtenkonsums voraussichtlich deutlich mehr Audioinhalte umfassen. Diese Entwicklung wird unser heutiges Verständnis von „Nutzererfahrung“ und „Benutzeroberfläche“ – die wir primär als visuelle Konzepte betrachten – grundlegend verändern und künftig auch die Art und Weise einbeziehen, wie Menschen sprachbasierte Schnittstellen und Audioinhalte erleben und mit ihnen interagieren.

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